Höllenschlund der Langeweile

Ausgerechnet die umstrittene Video-App TikTok wird gerade zum liebsten Zeitvertreib vieler Prominenter. Selbst das Gesundheitsministerium ist auf der Plattform zu finden. Hinter dem Hype steckt eine Strategie.

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Das Tor zum Höllenschlund öffnest du mit dem Download einer App. Sie heißt TikTok, und sie spuckt dich erst wieder aus, wenn der Handyakku leer ist. Bis dahin scrollst du weiter, Video für Video, und du kannst nicht aufhören. Du siehst Mädchen, die sich schminken und dabei Comedy-Dialoge mitsprechen. Pärchen, die Choreografien einstudiert haben oder Fußbälle hin- und herkicken. Du beobachtest Menschen, die dir aus dem Internet bekannt vorkommen, wie sie als Harry-Potter-Doubles auf deinem Handybildschirm herumhüpfen. Und du stolperst immer wieder über neue Interpretationen eines Songs mit dem Text: „I’m bored in the house and I’m in the house bored“.

Das Onlinemagazin mashable.com kürte den Song des Detroiter Rappers Curtis Roach zur „inoffiziellen Hymne“ der Selbstquarantäne. Zu Recht, schließlich profitieren Social-Media-Apps wie TikTok gerade davon, dass es sehr viel mehr Zeit als sonst totzuschlagen gilt. Die Hektik des Alltags hat sich verflüchtigt, und damit das Bedürfnis, die sonst so kostbare Freizeit sinnvoll zu nutzen. Wen vor Corona beim endlosen Handyscrollen das schlechte Gewissen plagte, weil Quatschklicken nun mal kein Hobby ist, von dem man bei After-Work-Events stolz berichtet – der kann sich wohlig entlastet fühlen. Die Mitmenschen lassen sich offenbar auch durch Foto-Challenges und Tanzvideos von ihren Zukunftsängsten ablenken.

Die Zerstreuungsplattform der Stunde ist das 2016 in China gegründete soziale Netzwerk TikTok. Nicht Instagram, wo sich High-Class-Influencer über Sichtbarkeitsalgorithmen und abgesagte Werbedeals beschweren. Nicht Facebook, wo sich mittelalte Frauen im Corona-Koller gegenseitig aus Yogagruppen mobben. Und schon gar nicht Twitter – schlechte News werden seit Wochen eh schon im Minutentakt per Pushnachricht aufs Handy gebeamt.

Nein, ausgerechnet TikTok, das schon oft in der Kritik stand, in Datenschutzfragen, aber auch als Plattform, die Kinder mit Pädophilen in Kontakt bringen kann, die unter Verdacht steht, Fake News und rechtsradikalen Müll zu verbreiten – ausgerechnet TikTok erblüht zum digitalen Spaßbringer Number one. Das liegt an den vielen Features zur Videobearbeitung, die es in dieser Fülle sonst nirgends gibt, und am unkomplizierten Durchguck-Modus, der den Nutzer wie eine endlose Entertainment-Welle überrollt. Man muss dafür nicht einmal einen Account anlegen. Einfach weiterscrollen, immer weiter.

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