Wie wir über Geld sprechen (m/w)

Achtung, dieser Text enthält gnadenlose Verallgemeinerungen. Also bitte nicht gleich ausrasten, wenn der ein oder andere Satz auf EUCH PERSÖNLICH nicht zutrifft. Danke. Ich verspreche aber hoch und heilig, dass ich alle Sätze so oder zumindest sehr ähnlich schon gehört habe. Und das ist traurig genug. 

Wie Männer über Geld sprechen:

„150 Euro hin und zurück nach Fuerte haben die Flüge gekostet, da kannste nix sagen. Halt Easyjet. Dafür hab‘ ich mir dann aber auch  ein richtig geiles Hotel gegönnt, schön mit privatem Whirlpool vor der Suite, haha! Ja, ja, meine Freundin kommt auch mit. Aber die Reisen buche ich, ich hab die Finanzen schon lieber selbst im Blick, hahaha. Ihr habt schon auch so eine App, bei der ihr alle Ausgaben eintragt, oder? Übrigens, ich wollte dir noch die Story vom Mike erzählen, der hat jetzt echt ‘ne fette Prämie bei uns in der Firma bekommen mit der Begründung, dass er ja bei zwei Projekten mitarbeiten würde – so geil, der Typ! Weil der unserer Abteilung einmal ausgeholfen hat! Der wird doch eh schon 80, 90 verdienen im Jahr, oder. Über 100, meinst du echt? Krass. Naja, der ist ja auch schon ein paar Jährchen im Unternehmen. Aber ich sag’s Dir, Alter, richtig Kohle machst du in unserer Branche nur als Selbständiger. Ein Bekannter von mir hat seinen eigenen Laden aufgemacht, der weiß gar nicht mehr wohin mit dem ganzen Geld. Der hat sich jetzt fünf oder sechs Wohnungen gekauft und vermietet die. Der geht nur noch zur Arbeit, weil ihm sonst langweilig wär. Ohne Witz! Und wir dürfen schön noch bis ins Alter das Geld ranschaffen, um unsere Häuser abzubezahlen. Wie lange musst du noch? Echt, noch 30 Jahre? Oh man. Aber das ist gut bei ‘ner Scheidung, wenn man noch Schulden hat. Hehe, Scherz.”

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Wie Frauen über Geld sprechen:

„Oh nein, das Kleid war viel zu teuer. Bin ich verrückt geworden. Ich wollte doch nicht mehr so viel Geld für Klamotten ausgeben. Neulich war ich bei so einem Networking-Event, da ging es um Frauen und Finanzen, mindestens drei Monatsgehälter soll man ansparen, dann kann man erst investieren. In Fonds und so. Hast du Aktien? Nee, ich auch nicht, ich wollte mal meinen Vater fragen, was der dazu meint. Ich hab jetzt mal den Instagram-Account von dieser Finanzwebsite für Frauen abonniert, kann ja nicht schaden. Eigentlich soll man ja eh in Immobilien investieren. Aber ich weiß ja gar nicht, ob ich für immer in Berlin bleiben will, was mach ich dann mit der Wohnung. Also, mal angenommen, ich würde irgendwann so viel verdienen, dass ich mir eine Wohnung kaufen könnte, haha. Ich müsste wirklich ein bisschen mehr verdienen. Nur so ein paar Hundert Euro, weißt du, das muss gar nicht so viel mehr sein, nur, damit es nicht immer so knapp ist, wenn ich mal in den Urlaub fahren will oder so. Neulich hab ich gelesen, dass man eigentlich eine Kollegin das Gehalt für sich verhandeln lassen müsste, weil der Chef dann eher daran glaubt, dass man das Geld verdient hat. Auf der anderen Seite will ich auch nicht dauernd über Geld nachdenken, das wirkt so… gierig. Es gibt so viele Menschen, die Not leiden auf der Welt, und ich jammer’ dauernd rum, dass ich ‘ne Gehaltserhöhung will. Naja. Aber das Kleid hab ich schon gebraucht, ich hätte sonst wirklich nicht gewusst, was ich zu der Hochzeit hätte anziehen sollen. Und ich kann das Kleid auch so im Büro tragen, mit Sneakern oder so, das war schon eine gute Investition.“

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4 Comments

  1. Hallo Frau Hackober,

    machen wir uns nix vor: Geld ist und bleibt das Hauptthema. Auch wen das Zentral-Mantra immer lautet “Ach, Geld ist doch nicht wichtig. Es macht nicht glücklich” und “Hauptsache Gesund”, oder “Wir haben ja uns”.
    Alles Sätze, die zweifelsohne auch stimmen – das ist aber eben nur die halbe Wahrheit.
    Geld ist nicht alles, aber ohne Geld ist alles nichts – auch so eine Binsenweisheit, die aber leider nicht wegzudiskutieren ist.
    Als Doppel-Durchschnittsverdiener geht es uns hier glaube ich ganz gut, aber Finanzverwaltung nimmt bei uns schon einen nicht unerheblichen Teil der allgemeinen Verwaltungsarbeiten ein.
    Solange wir nicht ausschließlich von Luft und Liebe leben können und die Welt darauf basiert, dass man mit Charma-Points bezahlen kann, wird sich das auch nicht mehr ändern.

    LG
    Micha

    1. Na klar, Geld ist immer ein Thema und das ist ja auch richtig so; mir fällt nur auf, wie unterschiedlich Männer und Frauen teilweise über das Thema sprechen – was auch branchenbedingt ist, aber trotzdem.

  2. Hallo Frau Hackober,

    sehr witziger Artikel, vielen Dank! Ich würde vorschlagen, dass Sie ihn auf Welt veröffentlichen, dann werden mehr Leser erreicht 🙂

    Viele Grüße,
    Anna N.

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