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Es sind nun mal nicht alle Menschen gleich schön

Ein persönlicher Kommentar zur gedanklichen Gleichheitsfalle – inklusive unscharfem, überbelichtetem Foto zur Verdeutlichung der vielen Probleme, die man so mit sich selbst hat 

Ich komme gerade aus Cannes zurück, von den Filmfestspielen. Ich war dort beruflich unterwegs, und natürlich sollte es daher keine Rolle spielen, wie ich aussah während der zwei Minuten, die ich auf dem roten Teppich verbrachte. Bin schließlich Journalistin, keine Schauspielerin. Mal abgesehen davon fand ich mich ganz OK an diesem Abend, ich trug ein Kleid, das ich schon öfter mal anhatte, Schuhe, in denen ich laufen konnte, außerdem bin ich in der Lage, mich ganz gut selbst zu schminken.

Deshalb trafen mich die Red-Carpet-Auftritte von Marion Cotillard, Elle Fanning & Co. ein bisschen aus dem Hinterhalt. Zu viel Schönheit auf einmal war das. Und Emily Ratajkowski, meine Herren, die kann posieren! Minutenlang: Kopf nach rechts, nach link, Kinn nach oben, Bein raus, Brust sowieso. Ich war fasziniert und gleichzeitig sehr entsetzt. Kann es sein, dass diese Frauen alle tatsächlich so viel schöner sind als ich Normalsterbliche? Macht das nur die Abendsonne an der Côte d’Azur – oder sind die Zauberkräfte von irgendwelchen Make-up-Masterminds und Personal Trainern verantwortlich?

An diesem Abend fühlte ich mich für einen kurzen Moment plötzlich nur noch teigig und wuchtig, wie ein 1,80 Meter großes Stück Camembert, das jemand aus Versehen in Abendkleid und Highheels gesteckt hatte. Ich haderte mit meiner Nase, die mir in meiner Heimatstadt seit meiner Kindheit den Spruch einbringt – „Du bist ja ein echtes Hackoberle! Wegen der Nase!“, und gegen die man nichts tun kann, nicht mal eine Op würde helfen (die vererbende Großmutter hat’s versucht).

Keine Sorge, ich besann mich schnell wieder. Bin ja emanzipiert und selbstsicher. Und dennoch beschäftigt mich seit meiner Woche in Südfrankreich ein Gedanke: Wir sind eben nicht alle gleich schön. Sagt auch Wolfgang Joop, den meine Kollegin kürzlich interviewte – Schönheit sei eben ungerecht verteilt auf der Welt. Genau wie Intelligenz und Talent.

Vielleicht muss man sich damit im Alter von fast 27 Jahren auch mal arrangieren. Nicht nur auf mich persönlich bezogen – so ganz generell. Ich habe zumindest wenig Lust, mir im Sinne der Body-Positivity-Bewegung ständig mühselig einzureden, dass alle Körper absolut gleich großartig aussehen. Das stimmt nämlich nicht. Natürlich ist es die politisch korrekte Haltung, so zu tun, als wären alle Menschen gleich, auch, wenn es um das Aussehen geht; ehrlich ist es aber nicht. Manche Menschen sind von Natur aus eben ein bisschen gesegneter als andere, was ihre Nase betrifft.

Dieses Quäntchen Glück kann man schönen Menschen auch einfach mal lassen. Ja, das ist schwierig. Siehe obige Cannes-Erfahrung. Aber es hilft, wenn man einsieht, dass man nicht in jedem persönlichen „Asset“, um es mal im Marketingsprech zu formulieren, die volle Punktzahl haben oder nur mit sehr viel Mühe und Kostenaufwand erreichen kann.

Die Welt ist eben ungerecht und es kann nicht jeder alles haben und können. Im Gegenteil: Wenn man Ungleichheiten nicht akzeptieren und vor allem nicht gönnen kann, wie soll man denn da jemals zufrieden leben können. Das ist vielleicht das eigentliche Problem: Dass man so schwer damit klar kommt, wenn jemand von Natur aus von irgendwas mehr hat oder etwas besser kann. Mir sagt selten jemand, wie unfassbar, überirdisch wunderschön ich sei; dafür nervt es mich gewaltig, wenn jemand feststellt: „Ach, Journalist wollte auch mal werden, vielleicht probier‘ ich das noch mal aus. So schreiben und so, das kann ja eigentlich jeder!“ Nee, das kann nicht jeder. Jetzt lasst mir halt das eine Talent, auf das ich stolz bin!

Insofern habe ich mich dazu entschlossen, Emily Ratajkowskis straffe Brüste, Lena Meyer-Landruts kleine Nase und Rosie Huntington-Whiteleys schlanke Beine einfach nur als Geschenke Gottes zu bewundern. Ich hoffe, das klappt. Überhaupt: Allzu lange kann ich mich mit meiner Nase und meinen kräftigen Oberschenkeln auch nicht mehr befassen. Bald wartet ja schon das nächste optische Problem auf mich – mit dem sich zum Glück aber auch oben genannte Damen befassen werden müssen: Falten!

10 Kommentare

  1. Ulrich sagt

    Schöner Text. Hat mich bewegt von welt.de auf juliahackober.com zu wechseln 🙂
    Die unausgesprochene Aussage hinter Body-Positivity lautet für mich:
    Unterschiede in der Schönheit sind so schlimm dass wir sie tabuisieren müssen. Und das stimmt nicht. Sie sind einfach nur da.
    Schwierig wird es wenn wir mit dem was einfach da ist jeden Tag kämpfen müssen.

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    • Danke für die Nachricht! Die Body-Positivity-Bewegung hat sicherlich richtige Ansätze, aber zwischen Akzeptanz und „schön finden“ besteht eben ein Unterschied.

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  2. klaus sagt

    Hallo … ? Wo ist dein Problem? Ist doch alles Bestenst bei dir und überhaupt: Der(die) Eine hat dies, der (die) Andere hat das … liegt doch immer Auge des Betrachters … und glücklicherweise unterscheiden wir uns und sehen nicht alle gleich aus! Wie hieß der Titelsong??? „be happy, don’t worry“!

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  3. Renate Franziska Weber geb. Kubenka sagt

    2iN GRAUER vORZEIT2; !)/= ETWA: GAB ES SO GENANNTE pOESIEALBEN: eINE fERNÖSTLICHE wEISHEIT.
    wER ÜBER DEN dINGEN STEHT; WIRD NICHT VON IHNEN ERDRÜCKT:
    ODER AUCH fRÖHLICH SEIN; gUTES TUN UND DIE sPATZEN PFEIFFEN LASSEN: dON bOSCO

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  4. Pingback: Hurra, Brüste sind wieder „in“! | JULIA HACKOBER

  5. Jens sagt

    Hi Julia, das Kleid und die Schuhe passen nicht. Lass Dich bei solchen Anlässen von einem Designer einkleiden.

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